Balinesische Kultur und wie ihr euch auf Bali benehmen solltet

Bali wird nicht umsonst das Land, des Lächelns genannt. Lasst euch davon einfach anstecken und lächelt zurück. Kommt ihr raus aus Touristenzentren und in ländliche Gegenden in die sich nur wenige Touristen verirren, werdet ihr merken was ich meine. Die Menschen grüßen und lächeln, wenn sie euch sehen. Besonders die Kinder. Ich hoffe ihr werdet diese rührende Freundlichkeit erwidern.

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Vorab möchte ich mich bei Thomas von bumibahagia, der schon seit 7 Jahren auf Bali lebt und HWJ, der mit „Bali Post“ einen sehr ausführlichen Blog über Bali geschaffen hat, bedanken. Die Beiden haben mir geholfen meine „Bali-Knigge“ zu erweitern und mir wertvolle weitere Tipps gegeben. Diese möchte ich hier natürlich mit ihrer freundlichen Erlaubnis auch ergänzen.

Gummizeit auf Bali. Besonders, bei geplanten Touren ist es besonders nervig, wenn sich alles verspätet und Keiner rausrückt, was eigentlich los ist. So war zum Beispiel eine kaputte Fähre (wie wir später erfahren haben) der Grund für eine 3 stündige Verspätung. Doch anstatt einfach mit der Wahrheit rauszurücken, hieß es 3 Stunden lang “ noch 5 Minuten..“. Nervig. Doch es lohnt sich Ruhe zu bewahren. Man verliert das Gesicht vor einem Balinesen, wenn man laut wird.

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Handeln. Handeln ist eine eigene Kommunikationsform auf Bali. Gehandelt wird überall, außer in Restaurants und Supermärkten. Wer nicht handelt ist dumm oder ein reicher Tourist. Also nur los. Treffen solltet ihr euch immer zwischen 50-80% des erstgenannten Preises.

Religion. Die Balinesen leben ihre Religion sehr intensiv. Auch wenn man als Tourist mit den Ritualen nicht viel Anfangen kann, solltet ihr sie dennoch respektieren. Schließlich seit ihr nur zu Gast. Das Bedeutet, dass ihr euer Umfeld nicht mit zu knapper Kleidung provozieren solltet oder euch gar im Bikini ins Restaurant setzt.

Ein Ritual, dass euch immer wieder begegnen wird, sind die Opfergaben, die mehrmals täglich vor jedes Haus gestellt werden. Man sollte nicht mutwillig drauf treten, doch es ist kein Beinbruch, da die Opfergabe bereits beim Rausstellen von den Göttern empfangen wurde. Tempel sind bis auf einige Ausnahmen den Einheimischen vorbehalten. Solltet ihr einen Tempel besuchen, sollten eure Schultern und Knie bedeckt sein. Außerdem ist es Frauen während ihrer Periode verboten einen Tempel zu besuchen, da Blut als unrein gilt. Benehmt euch in den heiligen Stätten gut.

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Kurze Bali Knigge. Balinesen sind sehr freundlich. Sie lieben Smalltalk und ständig wird man gefragt wie man heißt und woher man kommt. Nicht immer steckt dahinter ein Verkaufsgedanke, sondern einfach nur Höflichkeit. Also bleibt freundlich. Es ist schön Kontakt mit Einheimischen zu haben. Balinesen machen alles möglich. Ständig wird man gefragt ob man Hilfe braucht, oder ein Hotel sucht, oder einen Ausflug machen will. Das wirkt zwar manchmal ein bisschen aufdringlich, aber es stehen meistens keine Absichten, außer pure Hilfsbereitschaft dahinter. Daran muss man sich erstmal gewöhnen. Schaut wie die Einheimischen sich verhalten und macht es ihnen nach:

Die linke Hand gilt als unrein (denn mit ihr wird sich der Po abgewischt). Deswegen gilt es als absolut unhöflich etwas mit der linken Hand zu geben oder zu nehmen oder gar zu essen. Linkshänder – keine Panik: Balinesen, die mit Tourismus zu tun haben werden euch das nachsehen. Die wissen, dass das in anderen Ländern nicht so üblich ist. Trotzdem versucht doch mal darauf zu achten. 🙂

Sich die Nase zu schnäuzen ist höchst unanständig! Aus diesem Grunde haben nasentriefende Balinesen die Nase wirklich immer voll, denn sie tupfen nur unten ab.
Rülpsen ist nicht besonders höflich, aber nicht so schröcklich wie in Europa.

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Begegnen auf Augenhöhe. Es ist ein Zeichen, des Respekts dass man einem Balinesen auf Augenhöhe begegnet. Spricht man mit einem sitzenden Balinesen, sollte man sich zu ihm hinunter beugen oder setzen. So zeigt man, dass man sich nicht für wichtiger oder besser hält, wie er.

Die Aura. Balinesen wissen, dass wir Menschen eine Aura haben. Wenn ein Mensch steht oder sitzt, und du musst nahe an ihm vorbei, erntest du gedanklich hohe Anerkennung, wenn du deine Aura einziehst, klein machst. Du zeigst es, indem du deine Aura mit der offenen Hand so zu dir nimmst, wie einen wehenden Stoff.

Auf andere Zeigen. Mit Zeigefinger auf das Gegenüber zeigen, ist Ausdruck von etwas zwischen Unhöflichkeit und Bedrohung.

Männerfreundschaften: Männer haben freien Körperkontakt, unbesehen von Altersunterschieden. Hand in Hand gehen, oder auch mal umschlungen ist Alltag. Mit homo hat das nix zu tun.
Frauen tun das nicht.

Nehmt euch ein Zimmer 😉 Zwischengeschlechtlicher Austausch von Zärtlichkeit ist dem Balinesen oberstpeinlich. Findet nicht statt, ist ein „no go“.
Entsprechend ist es verletzend für balinesische unfreiwillige Zuschauer, wenn Auslandspärchen öffentlich schmusen. Bitte nicht.

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Der Kopf ist heilig: Nie jemanden an den Kopf fassen, da dieser als „heilig“ angesehen wird; die Eingangspforte für das Göttliche (Siwa) und der reinste Teil des Körpers.
Entsprechend auch nie die Füße – den unreinsten Teil und mit den dämonischen Mächten assoziiert – auf eine Person richten.

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12 Gedanken zu “Balinesische Kultur und wie ihr euch auf Bali benehmen solltet

  1. Darf ich ergänzen?

    Wenn du etwas gibst oder nimmst, dann immer mit der rechten Hand. Mit der linken Hand was zu geben ist eine grandiose Beleidigung. Ursprung: Mit der Linken wüschelt man sich nach dem Geschäft mit Wasser den Po.
    In Touri Gebieten allerdings schaut keiner rum, dort wissen die Balinesen, dass wir das halt nicht wissen.

    Nase schneuzen ist höchst unanständig! Aus diesem Grunde haben nasentriefende Balinesen die Nase wirklich immer voll, denn sie tupfen nur unten ab.
    Rülpsen ist nicht besonders höflich, aber nicht so schröcklich wie in Europa.

    Man begegnet sich auf Augenhöhe. Du zeigst, dass du Bräuche respektierst, wenn du dich einem sitzenden Balinesen näherst, mit ihm sprichst, dann, wenn du RUNTER auf seine Höhe gehst. Bleibst du stehen und er sitzt, zeigst du damit, dass du dich grösser, wichtiger und besser fühlst als er es sei.

    Balinesen wissen, dass wir Menschen eine Aura haben. Wenn ein Mensch steht oder sitzt, und du musst nahe an ihm vorbei, erntest du gedanklich hohe Anerkennung, wenn du deine Aura einziehst, klein machst. Du zeigst es, indem du deine Aura mit der offenen Hand so zu dir nimmst, wie einen wehenden Stoff.

    Mit Zeigefinger auf das Gegenüber zeigen, ist Ausdruck von etwas zwischen Unhöflichkeit und Bedrohung.

    *****

    Ich bin mir so gewohnt, jedem mir begegnenden Menschen zu zeigen, dass ich ihn freundlich wahrnehme. Augenbrauen kurz heben, lächeln. Es ist herrlich.
    Wenn ich, einmal jährlich, in der Schweiz lande, meine ich unter Robotern zu sein. Keine Sau erwidert meinen Kontakt, einige meinen, ich wolle was von ihnen – dabei gebe ich etwas, nämlich etwas Herzlichkeit.

    Es kommt vor, dass ein Kind, welches du noch nie gesehen hast, dich von weitem anstrahlt und dir so zuwinkt, als wärest du der längst erwartete endlich kommende Lieblingsonkel. Sooo schön. Wenn ich denke, wie Kinder mich in Europa entweder nicht, oder dann misstrauisch, oder dann ablehnend anschauen….

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    1. Hallo Thomas,
      wow ich danke dir vielmals für diesen ausführlichen, schönen Kommentar.
      Wenn du nix dagegen hast, werde ich die Punkte auch noch oben im Beitrag ergänzen, gerne mit Verweis auf dich und deine Seite.

      Die balinesische Kultur ist wirklich so herzlich und faszinierend und es tut mir richtig Leid, dass ich viele dieser Benimmregeln nicht kannte, als ich dort unterwegs war.
      Ich glaube diese Herzlichkeit erfährt jeder, der nach Bali reist und offen dafür ist. Ich hoffe, dass auch jeder ein bisschen davon mit nach Hause bringt, denn du hast recht hier fehlt dieses Miteinander leider oft gänzlich. Liebe Grüße Kathrin

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  2. travli

    Du und ich wissen doch…es braucht seine Zeit, bis wir uns in eine uns fremde Kultur auch nur annäherungsweise einfühlen können. So das Einfühlen wächst, wachsen auch die verstandesmässig nachvollziehbaren Fäkts.

    Andere Beschreibungen von dir habe ich nicht gelesen, aber was du von Bali erzählst, ist zutreffend und somit hoffentlich für nicht so sehr selber erkunden wollende 😉 Turis hilfreich.

    Selbstverständlich darfst du meine Erfahrungen auf deinem Blog weiterleiten, auf Art Ickel Ebene.
    😉 oder auf welcher Ebene auch immer.

    Herzlich. Ram.

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  3. Wenn schon ganz ausführlich:
    Nie jemanden an den Kopf fassen, da dieser als „heilig“ angesehen wird; die Eingangspforte für das Göttliche (Siwa) und der reinste Teil des Körpers.
    Entsprechend auch nie die Füße – den unreinsten Teil und mit den dämonischen Mächten assoziiert – auf eine Person richten.
    Gruß HWJ

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    1. Trifft zu! Habe ich vergessen, aufzulisten.

      Dazu noch: Männer haben freien Körperkontakt, unbesehen von Altersunterschieden. Hand in Hand gehen, oder auch mal umschlungen ist Alltag. Mit homo hat das nix zu tun.
      Frauen tun das nicht.

      Und, noch was:
      Zwischengeschlechtlicher Austausch von Zärtlichkeit ist dem Balinesen oberstpeinlich. Findet nicht statt, ist no go.
      Entsprechend ist es verletzend für balinesische unfreiwillige Zuschauer, wenn Auslandpärchen öffentlich schmusen. Bitte nicht.

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      1. Stimmt, das fehlte ebenfalls! Ein umfangreicher, kompletter Knigge. Ob’s was nützt? 😏 Ich bin gerade aus Bali zurück. Nun ja, da ist noch viel zu tun.

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      1. Aber selbstverständlich, Traveli.

        Ich habe die einzelnen Punkte nochmal nachgefragt und kann noch präzisieren.
        Kopf berühren / Kopf streicheln:
        Aeltere dürfen Jüngere. Jüngere Aeltere nicht.

        Das mit dem Fingerzeigen ist nicht dramatisch. Nicht so höflich, aber nicht wirklich schlimm.

        Gefällt 1 Person

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