Länderprofi-Kampagne: Kanarische Inseln – Teneriffa

Vorab: Natürlich, weiß ich, dass Teneriffa kein Land ist. Die Insel gehört zu den kanarischen Inseln und die gehören natürlich zu Spanien. Trotzdem habe ich mich riesig gefreut, als Gerardo sich angeboten hat mir im Interview Fragen zu seiner Wahlheimat Teneriffa zu beantworten. In seinem Blog Mi Tenerife schreibt Gerardo regelmäßig über sein Tenriffa und hat dort eine wahre „Schatzkammer“ an Geheimtipps, Attraktionen, verlassenen Orten und Infos zusammengestellt. Die Insel, hat so viel zu bieten, dass man ihr in einem Nebensatz bei einem „Spanien-Interview“ nicht gerecht werden würde. Deswegen bekommt ihr jetzt einen tollen Überblick über „Die Insel des ewigen Frühlings“ von einem echten Profi. 

Vorstellungsrunde

Hallo. Ich bin Gerardo. Ich lebe in Teneriffa und möchte euch heute meine Insel vorstellen. Ich habe hier eine kleine Finca, wo wir Avocados anbauen, und noch viele andere Sorten von Obst und Gemüse, von dem wir das meiste selbst verbrauchen, natürlich alles bio! Da ich eigentlich Geograf bin, interessiert mich alles was mit Klima, Geologie, Vegetation, Landschaft zu tun hat, und mit der Nutzung durch den Menschen.

Ich gehe sehr gerne wandern und in meiner Freizeit Salsa tanzen. Am Strand bin ich eigentlich nie. Wenn man auf einer Insel lebt, dann ist das Meer irgendwann nichts besonderes mehr, es ist einfach nur noch da. Aber schön! Und wenn ich mal Großstadtluft brauche, dann fahre ich nach Santa Cruz oder La Laguna.

Ich habe mich für den grünen Norden der Insel entschieden. Dort ist es viel angenehmer und nicht so heiß, weil besonders im Sommer immer eine Wolke an den Bergen hängt. Das kann natürlich auch oft ziemlich trübe sein, aber im Süden knallt dafür die Sonne unbarmherzig in die Wüstenlandschaft.

Das Gute an Teneriffa ist: Irgendwo ist immer Sonne, und wirklich kalt ist es nie.

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  1. Warum sollte man Teneriffa einmal besuchen?

Teneriffa ist für viele Pauschalurlauber einfach Urlaub, Strand, Sonne, Vergnügen. Manche wissen nicht einmal, dass es viel weiter weg ist als Mallorca und geografisch eigentlich zu Afrika gehört. Dabei ist die Insel ein kleiner Kontinent für sich und bietet so viele verschiedenen Landschaften, dass man jeden Tag ein ganz anderes Erlebnis haben kann. Nebelwälder oder Kiefernwälder, schwarze Lavaströme oder schwarze Strände, herrliche Gärten und Parks, verwinkelte alte Städte, und die fantastische Mondlandschaft im Krater der Cañadas, einem der größten der Welt. Hier gibt es einfach alles! Naja,… Skifahren kann man hier nicht!

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  1. Wann ist die beste Zeit, um Teneriffa zu besuchen?

Teneriffa wird auch „Insel des ewigen Frühlings“ genannt. Aber darunter stellen sich viele Leute das falsche vor. Im Frühling kann es sehr angenehm sein, aber es kann auch noch kalt werden und schneien, oder es kann eine ordentliche Hitzewelle kommen. Genau das kann auch in Teneriffa passieren. Auf den Bergen kann ein eiskalter Wind wehen und im Winter, der dort oben bis April dauert, kann es auch Eis und Schnee geben. Im Sommer kann heiße Luft aus Afrika die Temperatur in 2000m Höhe auch mal auf mehr als 30º steigen lassen.

In den Küstenzonen sind die Temperaturschwankungen sehr gering. Man rechnet mit 25º im Sommer und 18º im Winter, nachts wird es kaum kälter.

Ein anderer Aspekt, was die Jahreszeit angeht, betrifft die Saisonzeiten. In den spanischen Sommerferien von Ende Juni bis Ende August ist es überall sehr voll. Die meisten Touristen aus Deutschland und England kommen von Weihnachten bis Ostern. Sehr ruhige Monate sind Mai oder September.

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  1. Welches ist die beste Art, Teneriffa zu erkunden?

Ich empfehle eine Mischung aus Mietwagen und Bus. Mit dem eigenen Auto ist man unabhängig und kann auch in den abgelegenen Gebieten fahren und halten wo man will. Für Wanderungen eignet sich auch perfekt das öffentliche Bussystem, das sehr gut und pünktlich funktioniert. Voraussetzung ist, dass man vorher die Fahrpläne genau studiert, besonders wenn man in ländliche Gebiete will. In die Städte zu kommen, ist kein Problem, meist fahren die Busse stündlich.

In Santa Cruz gibt es moderne Straßenbahnen. Taxis kosten innerhalb einer Stadt selten mehr als 5 €. Mit dem Fahrrad sind hier nur die Extremsportler unterwegs, denn Teneriffa ist es überall sehr steil.

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  1. Welches sind die schönsten Sehenswürdigkeiten in Teneriffa?

Ganz oben steht natürlich der Teide auf der Liste, der höchste Berg Spaniens, eine beeindruckende Vulkansilhouette, die über das Wolkenmeer hinausragt. An der Westküste sind die Felsen von Los Gigantes sehr beeindruckend, die 600m senkrecht aus dem Meer emporsteigen, und wer will, kann durch eine tiefe Schlucht zwischen ihnen zum Meer hinunter wandern. Der Loro Park ist einer der schönsten Tierparks der Welt und besonders bekannt für seine Vielfalt an Papageien, die man auf einem Baumwipfelpfad hautnah erleben kann. In dem von Wind und Wolken gepeitschten und stark zerklüfteten Anaga-Gebirge im Nordosten der Insel kann man durch von Moos behangene Lorbeerwälder spazieren, und gleich darauf durch trockene Kakteenlandschaften. Viel frische Luft gibt es auch in den Kiefernwäldern, die sich wie eine Krone um die ganze Insel herum ziehen.

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  1. Welche Orte dürfen auf der Reiseroute auf gar keinen Fall fehlen und warum?

Historisch bedeutsam sind La Laguna als älteste Stadt, und La Orotava. Beide haben eine wunderschöne Altstadt. Garachico im Nordwesten ist beschaulich und war vor der Vulkankatastrophe 1706 der wichtigste Hafen der Insel. Auch Candelaria mit der bekannten Basilika und Icod de los Vinos sind einen Besuch wert. Strandliebhaber sollten sich die Playa Las Teresitas und den Gartenstrand von Puerto de la Cruz ansehen, auch El Médano hat einen langen Strand, der allerdings sehr touristisch überlaufen ist. Die Felsen von Los Gigantes betrachtet man am besten vom Wasser aus.

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  1. Ist Teneriffa sicher zu bereisen? Tipps wie man sich am besten verhalten sollte.

Hier ist es nicht gefährlicher als sonstwo in Europa. Wer vernünftig unterwegs ist, hat nichts zu befürchten. Ein Problem sind Autoeinbrüche auf Parkplätzen, besonders dort, wo viele Touristen ihr Auto für längere Zeit abstellen. Deshalb: Absolut nichts im Auto zurücklassen!

 

  1. Sollte man die Reise nach Teneriffa vorher planen oder sich treiben lassen und spontan Hotels und Ausflüge buchen?

In Teneriffa gibt es so viele touristische Angebote, dass man sich seine Unterkunft ganz nach Belieben und nach den finanziellen Möglichkeiten aussuchen kann. Ausflüge kann man immer buchen, aber Unterkunft und Mietwagen sollte man zur Hochsaison (August, Weihnachten und Ostern) besser vorab reservieren. Wer die Touristenzentren meiden will, ist mit einer „Casa rural“ gut beraten. Die Landhäuser liegen nicht unbedingt auf dem Land, aber immer in romantischen alten Gebäuden. Da alle Orte innerhalb einer angemessenen Fahrzeit zu erreichen sind, kann man auf einer Autorundfahrt ganz entspannt alles anschauen, was am Weg liegt.

Nur wer auf die Spitze des Teide will oder einen Aufstieg zu Fuß plant, muss sich rechtzeitig vorher eine Genehmigung holen. Auch für die Fahrt mit der Seilbahn ist es ratsam, Tickets vorab zu reservieren, um lange Wartezeiten zu vermeiden.

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  1. Welche Sprache wird hier gesprochen? Kommt man auch gut mit Deutsch zurecht?

Alles was ein Tourist braucht, kann er auf deutsch oder englisch erledigen. Die meisten Informationen gibt es in mehreren Sprachen, und das Personal kann überall mindestens ein paar Brocken deutsch oder englisch. Wer sich mit Einheimischen richtig unterhalten will, kommt allerdings um spanisch nicht herum. Die kanarische Sprache hat einige Besonderheiten, ist aber im allgemeinen besser zu verstehen als das kastilische Spanisch.

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  1. Was zeichnet die Landschaft in Teneriffa besonders aus?

Hier gibt es so viele verschiedene Landschaftstypen, dass man in einer Woche jeden Tag in einer ganz anderen Umgebung unterwegs sein kann. In der Mitte der Insel liegen die faszinierenden Vulkangebiete rund um den Teide in mehr als 2000m Höhe. Im Anaga-Gebirge oder den Nordhängen des Teno-Gebirges wachsen moosbehangene Nebelwälder. In den lichten Kiefernwäldern kann man herrlich wandern und picknicken. An den Küsten gibt es schwarze Sandstrände und wilde Felsküsten mit Naturschwimmbecken. Im Süden liegt der trockenste Teil der Insel, dort ist richtige Wüste.

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  1. Gibt es besondere Aktivitäten, die man in Teneriffa unternehmen kann?

Um nur am Strand zu liegen, braucht man nicht nach Teneriffa zu fliegen. Wandern gehört sicher zur beliebtesten Outdoor-Aktivität. Es gibt Wege in allen Schwierigkeitsgraden, vom gemütlichen Waldspaziergang bis zu anspruchsvollen Hochgebirgstouren, selbst abenteuerliches Canyoning ist möglich. Wer sich traut, kann beim Gleitschirmfliegen die Insel von oben betrachten und Stunden lang wie ein Adler seine Kreise in der Luft ziehen. Besonders im Westen der Insel ist Tauchen ein Erlebnis, denn das Meer ist sehr fischreich. Delfin- und Walbeobachtungen werden täglich angeboten. Natürlich gibt es auch schöne Golfplätze direkt am Meer und viele Vergnügungsparks. Dazu muss ich leider bemerken, dass diese sehr viel Wasser verbrauchen, während auf der anderen Seite den Bauern und Dorfbewohnern wegen Wasserknappheit der Hahn zugedreht wird.

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  1. Meine absoluten Highlights:

– Schwarze Lavaströme und grüne Kiefernwälder: Die Landschaften um den Vulkan Chinyero

– Nebelwald und treibende Wolken: Der Höhenrücken am Chinobre im Anaga-Gebirge

– Kaffee und Kuchen in einer Oase der Ruhe: Der Wassergarten Risco Bello in Puerto de la Cruz

– Auf den Spuren der alten Wasserversorgung: Die Kanäle in den Bergen von Güímar

– Farbenprächtige Volksfeste mit viel Tradition: Los Realejos und La Oroatva im Mai und Juni

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  1. Besondere Tipps:

Nicht in kurzen Hosen und Spagetti-T-Shirt auf den Teide steigen, auch nicht mit der Seilbahn!

Nicht barfuß über den schwarzen Sandstrand laufen und nicht in Badelatschen wandern!

Keine Paella essen, wenn man nicht bei Zubereitung zuschauen kann! Sie kommt meist aus der Tiefkühltruhe.

An ungeschützten Stränden nicht im Meer schwimmen! Hier gibt es mehr Ertrunkene als Verkehrstote.

Im Mai gibt es die meisten Feste und Umzüge und die wenigsten Touristen.

Am Samstag Nachmittag nicht einkaufen gehen und am Sonntag Nachmittag nicht ins Restaurant.

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  1. Was sollte man bei einer Reise nach Teneriffa unbedingt einpacken?

Der UV-Index ist auch bei bedecktem Himmel nicht zu unterschätzen. Deshalb immer Sonnenschutzmittel verwenden, am besten von zuhause mitbringen, es ist hier viel teurer. Auch eine Kopfbedeckung muss sein.

Wanderstiefel braucht man immer, selbst wenn man „nur mal schnell einen Ausflug“ machen will. Alle Wanderwege sind steil, stachlig oder rutschig – oder alles gleichzeitig.

Badeschuhe, mit denen man ins Wasser gehen kann. Erstens ist der schwarze Sand empfindlich heiß und zweitens sind auch am Sandstrand oft scharfe Felsen.

Im Gebirge ist auch im Sommer eine Windjacke empfehlenswert, im Winter richtig warme Kleidung.

Wer auf gute Fotos Wert legt, sollte sich einen UV-Filter besorgen.

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Reisebudget: Wer die Touristenlokale und McBillig & Co meidet, kann hier sehr günstig essen gehen, meist kostet eine Hauptspeise mit Getränk weniger als 10€. In den kleinen Cafeterias wird auch eine ganze Familie billig satt (Beispiel: 6 üppig belegte Brote, ½ Kilo Pommes plus Cola oder Bier, alles für 6,30€). Das gleicht sich aber schnell wieder aus, wenn man die saftigen Eintrittspreise in die beliebten Freizeitparks (Loro Parque 35€) bezahlen muss. Hotelpreise sind in der Nebensaison (Mai-Juni und September-Oktober) deutlich günstiger. Wer nur von A nach B will ist mit Bus und Taxi besser beraten als mit einem Mietwagen.

5 Kommentare zu „Länderprofi-Kampagne: Kanarische Inseln – Teneriffa

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  1. Oh ja, Teneriffa! ❤ Da möchte ich unbedingt auch mal wieder hin. ich war zwar schon 3x aber das ist alles schon Ewig her und ich kenne auch nur den Süden von Teneriffa. Würde da gerne noch mehr kennenlernen.

    ———-

    Hey Kathrin,

    vielen lieben Dank für deine netten Worte! 🙂
    Echt, du hast dieses Problem auch? Hätte ich jetzt nicht gedacht, aber ja da sind wir uns einig, dass man sich diesen Ängsten / Phobien etc. stellen muss, sonst verpasst man wirklich was im Leben.

    ganz liebe Grüße zurück,
    Carmen

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  2. Interessanter Bericht!
    Würde auch gerne nochmal hin. Da wir aber von Teneriffa rüber nach Le Gomera fahren werden wird es nur ein sehr kurzer Teneriffa Besuch. Und danach ist La Palma dran.
    Aber danach möchte ich unbedingt nochmal mit mehr Zeit nach Teneriffa .
    Wir waren zweimal nur jeweils ein paar Tage dort .
    Die aber Bock auf mehr gemacht haben.
    So vieles nicht gesehen. Die Entfernungen unterschätzt.
    Zuwenig Zeit an den tollen Orten verbracht od gar nicht erst gesehen .
    Also abseits des Massentourismus auf jeden Fall zu empfehlen!
    Einsame ruhige schöne Ort findet man auch dort
    ‚Geheimtipp‘: Bajamar
    Oder einfach raus ins Anaga Gebirge! Mit Zeit! Treiben lassen. Aussteigen ausm Auto wenn einen die Landschaft reizt u los spazieren.
    Liebe Grüsse.

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    1. Danke dir 🙂
      Das klingt ja nach tollen Plänen. Ich glaube um wirklich alles gesehen zu haben muss man sehr sehr oft nach Teneriffa reisen. Dabei ist es ja toll, dass der Flug zu den Kanaren nicht all zuweit ist. So kann man den schönen Inselchen einmal mehr einen Besuch abstatten.
      Das mit dem Gebirge kann ich so unterschreiben. Das ist echt eine unwirkliche Landschaft, die einen an einen ganz anderen Ort bringt 😉
      Liebe Grüße Kathrin

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  3. Falls du noch mal ins Anaga Gebirge fahren solltest.
    Kurz nach (od vor) Cruz del Carmen geht links eine Strasse rein. Mit Mooswänden. Echt der Hammer!
    Stimmt zum Glück ist es nicht weit. Und wenn man ne gute Zeit erwischt sind die Tickets auch sehr günstig. Zumindest bisher. Wer weiss was sich da jetzt tut.

    Gefällt 1 Person

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