Estland – der Lahemaa-Nationalpark über Wasserfälle, Hochmoore und Riesenfindlinge [Jägala, Viru & Käsmu]

Eines der absoluten Highlights unseres Baltikum-Roadtrips im November 2017 war ohne Frage der beeindruckende Lahemaa-Nationalpark. Der Park – mit dem urigen Namen – ist von Tallin aus in einer Stunde mit dem Auto zu erreichen. Je nach dem, wo ihr hinwollt. Wir waren im November da, also in der Nebensaison. Zu der Zeit lag schon vereinzelt Schnee und die Wasserflächen waren schon ein bisschen gefroren. Trotz der Kälte hatten wir hier eine sehr schöne Zeit.

Der Naturpark an sich hat eine ganz besondere Aura, der Wald wirkt durch seinen unbewachsenen bunten Moos-Boden fast ein bisschen unwirklich und hat etwas mystisches. Das Licht, dass in Strahlen durch die Baumkronen scheint, verfängt sich in den tiefblauen Wasserflächen, die das Moor spicken. Es gibt vier bekannte Wanderwege in Lahemaa, die ich euch hier mal etwas vorstellen will.

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Hunger?

Den ganzen Weg über suchten wir nebenher nach einem Restaurant, wo wir frühstücken könnten. Weil aber keine Hauptsaison war, führten uns die vielen Schilder mit dem gekreuzten Besteck immer nur vor geschlossene Restaurants. (Im Sommer werden die sicherlich alle geöffnet haben und ihr werdet keine Probleme haben etwas Essbares zu finden) Wir haben uns am Ende dann in einem kleinen Supermarkt mit ein paar Reserven eingedeckt. – auch gut. Allerdings solltet ihr euch wirklich darauf einstellen in der Nebensaison hier keine geöffneten Gaststätten zu finden. (Oder wir haben uns zu einfach dämlich angestellt) 😉

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Orientierung

Ich hatte mich nicht wirklich damit beschäftigt, wie wir uns in Lahema orientieren und hatte eigentlich auf eine Idioten-Sichere Beschilderung gehofft. – Tja, Pustekuchen.

Durch unsere -oben beschriebene- Nahrungssuche waren wir schon ein bisschen im Park umhergefahren. Nachdem wir dann gesättigt auf einem Supermarktparkplatz in irgendeinem kleinen Nest standen mussten wir erstmal die Handys zücken und uns belesen, was wir denn jetzt „wo“ sehen können. Das war allerdings erstmal gar nicht so einfach zu finden. Falls jemand, der sich auch in einer solchen Situation befindet auf diesen Artikel stößt, möchte ich hier kurz erklären, was es wo gibt. Diese Karte wird euch sicherlich auch weiterhelfen 😉

Viru – Das Hochmoor

Nachdem wir in unser Navi „Viru“ eingegeben hatten, standen wir kurze Zeit später an einem Wanderparkplatz, wo auch schon drei andere Autos parkten. Dort startet der Wanderweg durchs Hochmoor. Erst geht es eine Weile durch den mystischen Nadelwald, auf weichem Moosboden. Dann führt der Weg über die bekannten Blankenwege. Es gibt immer wieder Infotafeln am Weg entlang, wo man sich über das Moor informieren kann. Ein Warnhinweis blieb mir besonders im Kopf. Der besagte, man solle die Wege nicht verlassen, weil ein Fußabdruck in einem Moor noch in hundert Jahren zu sehen sein wird. Das kann ich zwar nur schwer glauben, aber ausprobiert haben wir es natürlich trotzdem nicht.

Auf etwa der Hälfte des Weges gibt es einen schönen Aussichtsturm, von dem man das bekannte Panorama-Foto machen kann, auf das man zwangsläufig stößt, wenn man „Lahemaa“ googelt ;-).

Die Landschaft sieht gar nicht wirklich so aus, aber der Hinweis, dass sich nur maximal 20 Personen gleichzeitig auf dem riesigen Turm aufhalten sollen, weil der sonst einsinkt macht einen schon nachdenklich. Nach dem Turm wird der Weg deutlich schmäler, ab hier wird es mit Gegenverkehr wohl auch etwas kompliziert, deswegen solltet ihr den Weg auch nicht entgegengesetzt laufen.

Käsmu – Findlinge

Am nördlichsten Zipfel Lahemaas gibt es nochmal ein ganz besonderes Highlight. Der Käsmu-Wanderweg. Schon der Weg dorthin ist traumhaft und führt durch ein verschlafenes Küstenörtchen. Schon bevor wir den Wanderweg erreichen sehen wir einige große Findlinge am Straßenrand und wissen, dass wir richtig sind.

Der Wanderparkplatz erwartet uns mit der altgewohnten Infotafel, wie bereits am Viru-Wanderweg. Erst geht der Weg ein kleines Stückchen durch den Wald und führt und dann zu einem großen sagenumwobenen (Glücks-)Steinhaufen. Wenn man hier einen Stein über seine Schulter ins Wasser wirft, soll man angeblich einen Wunsch frei haben.

Dem Ufer folgen wir durch hohes Schilf zum nördlichsten Kap. Von dort aus kann man eine Teufels-Insel sehen, zu der man im Sommer sogar durch das seichte Meerwasser wandern kann. Ausgenommen zur Vogelbrutzeit (April – Mitte Juli).

Hier hat man ein wunderbares Panorama aus Meer, Wald, einer Insel und vielen Findlingen am Ufer verteilt. Da es bald dunkel wird und wir noch ein Highlight auf dem Plan haben machen wir kehrt und laufen den Wanderweg nicht komplett ab.

Jägala – der Wasserfall

Nach dem Viru-Moor wohl das bekannteste Bild aus Lahemaa ist der gewaltige Jägala Wasserfall. Der liegt von den drei Attraktionen am nähsten zu Tallin. Den Parkplatz finden wir schnell und hören schon beim Aussteigen die gewaltigen Wassermassen in die Tiefe stürzen. Wir müssen nicht weit laufen und sehen den Wasserfall schon von weitem.

Weiter vorne kann man noch eine Treppe hinunter laufen, um das gigantische Naturschauspiel von unten zu begutachten. Dort bleiben wir eine ganze Weile und starren auf die schäumende Gischt des fallenden Wassers. Die ungewöhnliche braune Farbe des Wasserfalls ist dem Moor verschuldet. Das ausgespülte Wasser aus den Mooren sammelt sich im Fluss.

Altja – das Fischerdorf und Oandu – den Biberpfad

Da wir nur einen Tag zu Verfügung hatten haben wir diese beiden Ziele leider nicht geschafft. Ich habe sie oben in der Karte trotzdem eingetragen. Naja beim nächsten Mal vielleicht … 😉

Fazit

Der Lahemaa- Nationalpark ist eines der (wenn nicht sogar DAS) Highlight(s) in Estland. Landschaften wie diese habe ich vorher noch nicht gesehen. Das Moor hat mich mit seiner mystischen Art sehr fasziniert. Da ist es kein Wunder, dass die Esten ein sehr abergläubiges Volk sind, Feen und Trolle würden in diese Kulisse perfekt passen. 😉

Die gigantischen Findlinge und das raue Meer am Käsmu-Weg waren ein krasser Kontrast zum ruhigen Moor. Der Jägala-Wasserfall ist ein ganz besonderes Highlight, der fast auf dem Weg liegt, wenn ihr von Tallin kommt. Dort solltet ihr definitiv einen kurzen Fotostopp einplanen. Lasst den Lahemaa – Nationalpark auf keinen Fall aus, wenn ihr in Estland unterwegs seid, das wäre fatal! Ihr könnt auch touren planen, dafür sucht ihr euch am Besten ein Reisebüro in Tallin. Man kann auch eine der vielen Inselchen ansteuern oder wenn man ganz mutig ist die wilden Braunbären beobachten. (Achja, die gibt es hier nämlich auch, wir haben zum Glück keinen gesehen )

Wart ihr auch schon im Lahemaa-Nationalpark unterwegs? Habt ihr noch weitere Tipps? Oder plant ihr eine Tour dorthin und habt noch Fragen? Ich freue mich auf eure Kommentare 🙂

3 Kommentare zu „Estland – der Lahemaa-Nationalpark über Wasserfälle, Hochmoore und Riesenfindlinge [Jägala, Viru & Käsmu]

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