Litauen – der Berg der Kreuze, ein echt verrückter Ort mit großer Bedeutung und einer tragischen Vergangenheit

Der Berg der Kreuze steht in jedem Litauen-Reiseführer direkt nach Vilnius und der kurischen Nehrung, als das Must-See-Überhaupt. Da er außerdem praktisch auf dem Weg liegt, wenn man nach Riga fahren will, war es für uns selbstverständlich dort einen Stopp einzuplanen.

Da war doch was …

…schon auf dem Weg dorthin stießen wir immer wieder auf Auto-Massen, die am Straßenrand standen, als ob dort irgendwo ein großes Fest wäre. Als wir das zum vierten mal innerhalb kurzer Zeit beobachteten, wunderten wir uns doch sehr. Es dauerte nicht lange, bis wir kapierten, dass die vielen Menschen nicht etwa zu einem Fest pilgerten, sondern zu Friedhöfen.

Ach ja, stimmt ja, da war doch was … – heute ist Allerheiligen. Da Litauen noch sehr stark katholisch geprägt ist, ist es klar, dass die gläubige Bevölkerung an diesem Tag ihren Toten gedenkt.

Wir überlegten schon kurz, den Stopp am Berg der Kreuze zu streichen, weil wir an diesem kirchlichen Feiertag erwarteten dort viele Litauen anzutreffen. Wir befürchteten uns respektlos zu verhalten, wenn wir an diesem wichtigen Tag als Touristen zu einem so heiligen Ort kommen. Da es aber kein großer Umweg war steuerten wir den Berg der Kreuze trotzdem an, mit der Prämisse wieder zu gehen sollten wir uns unerwünscht vorkommen.

 

Kreuze, Kreuze und nochmal Kreuze

Dort angekommen parkten wir etwas abseits an einem Wanderparkplatz. Die Souvenirläden, mit den zahlreichen Holzkreuzen im Schaufenster waren wegen des Feiertags geschlossen. Außer uns waren erstaunlicher Weise lediglich fünf andere Touristen unterwegs. Gut – das Wetter war schlecht.

Dann ist dieser Ort wohl eher eine Touristen Attraktion, als ein kirchlicher Ort von Bedeutung dachte ich mir und nahm mir vor mich später noch einmal genauer mit der Geschichte dieses Ortes zu befassen. So viel vorweg, dieser Ort ist keine bloße Attraktion für Touristen oder ein rein kirchlicher Ort, der Berg der Kreuze hat eine tragische Vergangenheit und außerdem ein wichtiges politisches Zeichen in Litauen.

Ich hatte zwar zuvor schon einige Bilder gesehen, aber die kamen nicht einmal ansatzweise an das heran, was man hier zu sehen bekommt. Der Berg der Kreuze ist zwar viel eher ein kleiner Hügel, als ein Berg, aber die Massen an Kreuzen die hier sind, sind unfassbar. Schmale Holzwege und Treppen führen durch ein Labyrinth an Kreuzen. Man weiß gar nicht wo man zu erst hinschauen soll. Wo man guckt Kreuze, Kreuze und nochmal Kreuze. In allen Formen, Farben und Materialien. Die meisten sind wohl von Touristen zurückgelassen, die damit einfach ein „Ich war hier“ hinterlassen wollten, allerdings gibt es sicher auch viele Kreuze mit tragischen Geschichten. Mit faszinierenden Inschriften. Wir finden sogar einige mit deutschen Titeln. Aber seht selbst.

 

Das erste Kreuz

Wie der Berg der Kreuze vor gut 300 Jahren entstanden sein soll ist nicht eindeutig geklärt, manche erzählen von einem Mann mit einer kranken Tochter, der das erste Kreuz hier hin legte, worauf hin seine Tochter geheilt wurde. Andere von einem Fürsten, dem der Prozess gemacht werden soll. Er schwor ein Kreuz auf diesen Hügel zu legen, solle er Gewinnen, und siehe da er hat gewonnen und seinen Schwur gehalten.

So oder so glaubten die Menschen an die göttliche Wirkung des Hügels und pilgerten mit ihren Problemen und Kreuzen noch die nächsten 300 Jahre zum Hügel.

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Eine tragische Vergangenheit

Man muss wissen, dass Litauen seit den 1940ern in der Hand der Sowjets waren. Von diesen wurden zahlreiche Litauen unfreiwillig nach Sibirien zum Arbeiten verschifft. Nach Stalins Tod (1953) kehrten die Überlebenden zurück und dankten Gott, in dem sie zum Berg der Kreuze pilgerten. So wurde der Berg mit der Zeit ein heimliches politisches Symbol gegen das kommunistische Regime der Sowjets. Die Sowjets kamen dahinter und aus diesem Grund befahlen sie eine große Zerstörungsaktion.

In den 60ern wurden alle Kreuze niedergewalzt, verbrannt und zerschlagen und so wurde der heilige Wallfahrtsort gewaltsam zerstört. Doch die Litauen ließen sich das nicht gefallen und deponierten noch in der selben Nacht zahlreiche neue Kreuze, als Symbol des Widerstands. Noch drei weitere male wurde der Berg gewaltsam von der Regierung zerstört und niedergebrannt, damit wuchs seine Bedeutung über die Jahre allerdings nur noch mehr.

In den 90ern kam sogar der Papst Johannes Paul II hierher um vor 100 000 Gläubigen eine Messe zu lesen. Dafür wurde auch extra der Pavillon gebaut, der noch heute dort steht. Und der Ort bekam so neben seiner politischen Bedeutung noch einmal einen großen Zuspruch von der katholischen Kirche.

 

 

Ihr seht also, der Berg der Kreuze ist nicht nur eine hübsche Touristen-Attraktion, sondern auch ein Ort mit Geschichte und einer wichtigen Botschaft. Dieser Hintergrund macht ihn nochmal deutliche eindrucksvoller, als er ohnehin schon ist. Wart ihr auch schon hier? Wir fandet ihr ihn? Ich freue mich auf eure Kommentare 🙂

 

 

3 Kommentare zu „Litauen – der Berg der Kreuze, ein echt verrückter Ort mit großer Bedeutung und einer tragischen Vergangenheit

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